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02.06.2011

EHEC: Symptome und Schutz vor Ansteckung

Kategorie: Gesundheit  |  Erstellt von: Kindertherapienetz

Das EHEC-Bakterium grassiert zur Zeit in Deutschland, vor allem im Norden. Die Verunsicherung vieler Menschen ist verständlich, da noch immer nicht bekannt ist, wo der Herd der Ansteckungswelle zu suchen ist. Welche Symptome treten auf und wie schützt man sich effektiv vor einer Infektion?

Jedes Jahr werden beim des Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin seit Einführung der Meldepflicht 2001 bundesweit zwischen 800 und 1.200 EHEC-Erkrankungen registriert ( EHEC = enterohämorrhagische Escherichia coli ), die meisten bei Kindern. Zumeist verläuft die Infektion relativ harmlos mit Durchfall und Unwohlsein, Lebensgefahr besteht kaum. Bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen verläuft die Erkrankung schwerer mit blutigen Durchfällen, kolikartigen Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und auch manchmal erhöhter Temperatur.
Bei dem EHEC-Keim, der im Moment im Umlauf ist, sind Anzahl der Erkrankungen und Verlaufsform anders. Innerhalb weniger Wochen ist die Zahl der gemeldeten Erkrankten auf ca. 2000 gestiegen, fast ein Viertel ist an der schweren Komplikation „HUS" erkrankt, in der vergangenen Nacht ist der 17. Todesfall als Folge des EHEC-Erregers gemeldet worden. Ungewöhnlich ist, dass vor allem Frauen betroffen sind - normalerweise sind es deutlich mehr Kinder, die erkranken.

„HUS" ist das sog. hämolytisch-urämische Syndrom, das eine schwere Verlaufsform der Erkrankung darstellt. Erstes Anzeichen ist heftiger, blutiger Durchfall, in der Folge treten u.U. Nierenversagen und/oder neurologische Komplikationen wie Sprachstörungen oder Krampfanfälle auf. Diese Anzeichen beginnen etwa eine Woche nach Beginn der Erkrankung, etwa 5 bis 10 Prozent der Betroffenen EHEC-Erkrankten entwickeln sie.

Als Gegenmaßnahmen einer Infizierung empfiehlt das Robert-Koch-Institut, verstärkt auf Hygiene zu achten: Bei der Zubereitung von Lebensmitteln, nach dem Toilettengang und natürlich vor allem im Umgang mit Kindern und chronisch kranken oder schwachen Menschen.
Um sich vor dem EHEC-Keim zu schützen, sollten Lebensmittel gut gesäubert und am besten abgekocht werden. Der Keim stirbt ab einer Temperatur von 70°C ab, so dass gekochte Lebensmittel bedenkenlos verzehrt werden können. Auf Rohgemüse, Rohmilch und rohes Fleisch sollte im Moment besser verzichtet werden.
Das Händewaschen gehört zu den simplen Hygienemaßnahmen, die gegen den Erreger helfen. Am besten vor und nach der Zubereitung von Lebensmitteln, nach dem Kontakt mit anderen Menschen (der Keim wird durch Schmierinfektion von Mensch zu Mensch übertragen) und natürlich nach jedem Toilettengang.

Der EHEC-Erreger wird über kontaminierte Lebensmittel und auch im direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Das derzeit aktive Bakterium ist sehr ansteckend - bereits 10 kleine Bakterien reichen aus, um sich zu infizieren. Eine Ansteckungsgefahr besteht, solange der Erreger nachgewiesen werden kann.
Die Inkubationszeit, das ist die Zeit zwischen der Infektion und den ersten Krankheitssymptomen, beträgt zwischen zwei und zehn Tagen - durchschnittlich kann man von drei bis vier Tagen ausgehen.

Problematisch ist die Tatsache, dass die Quelle des Erregers bisher nicht gefunden wurde - trotz fieberhafter Suche durch Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden. Die berüchtigten Gurken aus Spanien, die auf dem Hamburger Großmarkt identifiziert wurden, waren zwar mit einen EHEC-Keim verunreinigt, der unterscheidet sich aber von dem Keim dieses Ausbruches. Somit geht die Suche weiter. In Verdacht steht weiterhin Rohkost, was allerdings ungewöhnlich ist, denn der natürlich Lebensraum des Erregers ist der Darmtrakt von Rindern, Ziegen oder Schafen. Sofern Keime auf Obst und Gemüse gelangen, kann das z.B. über Jauche zur Düngung geschehen - oder über Bewässerungsanlagen, wenn der Erzeuger Wasser aus Kläranlagen nutzt (was natürlich verboten ist).

Entwarnung gibt es erst, wenn die Quelle gefunden und unschädlich gemacht wurde. Oder wenn das kontaminierte Lebensmittel aufgebraucht oder verdorben ist und so aus der Kette enfällt. So lange kann man sich mit oben genannten Hygienemaßnahmen und dem Verzicht auf Rohkost schützen.


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